Der “typische” Triathlet – Soziologische Betrachtung der Sportart Triathlon

Warum betreiben die Menschen Triathlon? Was zieht sie an, was hält sie ab?

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Im Rahmen der Diplomtrainerausbildung hat Martin seine Diplomarbeit der soziologischen Betrachtung der wunderbaren Sportart Triathlon gewidmet. Mit ganz viel Herz und Engagement entstand eine Arbeit, die einen spannenden Einblick in die Welt des Triathlons mit seinen Akteuren/-innen gewährt.

Das Ziel dieser Arbeit war, einerseits die Sportart Triathlon grundlegend zu analysieren und andererseits die Athleten auf deren Verhalten und deren Beweggründe für den Beginn mit diesem Sport und dessen Durchführung zu untersuchen. Dies wurde sowohl theoretisch als auch empirisch anhand zweierlei Methoden durchgeführt. Einerseits diente eine in Österreich durchgeführten Umfrage unter 283 Triathleten als wichtige Informationsquelle über das berufliche und soziale Umfeld sowie den gesundheitlichen Zustand im Zusammenhang mit den persönlichen Lebensumständen. Andererseits bot das Experteninterview mit Julie Moss einen sehr tiefgehenden, interessanten Einblick in die Welt des Triathlons. Das Besondere an dieser Arbeit ist, dass eine soziologische Abhandlung für diese Sportart in dieser Form, soweit bekannt, bisher noch nicht geschrieben wurde.

Im theoretischen Teil erörtert Bourdieu in Bezug auf den Sport von einer Klassenzugehörigkeit. Diese Klassenzugehörigkeit, welche sich u.a. auf das Bildungsniveau eines Menschen bezieht, kann im Triathlonsport gut erkannt werden. Das Bildungsniveau eines Menschen beeinflusst die Wahl der Sportart. Beinahe jeder zweite Triathlet verfügt über einen Hochschulabschluss auf einer Universität oder Fachhochschule. Dieses hohe Bildungsniveau ist sinnbildend für den Triathlonsport, auch im Vergleich mit den Ergebnissen anderer Studien aus Deutschland bzw. den USA. Die ökonomischen Möglichkeiten sind bei Triathleten höher als bei vielen anderen Athleten aus anderen Sportarten. Das monatliche Nettoeinkommen liegt weit über dem durchschnittlichen Einkommen eines Österreichers. Dadurch eröffnen sich zahlreiche monetäre Möglichkeiten für Investitionen in das Material, in einen persönlichen Trainer bzw. auch für die Reisen zu Wettkämpfen und in Trainingslager. Die Ausgaben für die eigenen Sportgeräte, Startgebühren etc. betrugen im Durchschnitt 2.000 bis unter 4.000 Euro im letzten Jahr (2017).

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Das System, in dem ein Triathlet seinen Sport ausübt, besteht aus heterogenen Einflüssen, die auf das jeweilige Individuum auf unterschiedliche Art und Weise einwirken. Die Partnerbeziehung, in denen drei Viertel der Befragten leben, hat Auswirkung auf das sportliche Verhalten. Immerhin üben 42% der Partner ebenso diese Sportart aus. Darüber hinaus sind die Partner bei nichtaktiver Teilnahme an einem Triathlon in fast 80% der Fälle vor Ort zur Unterstützung bei einem Triathlonrennen.

Für die meisten Triathleten spielen nach eigener Aussage vor allem sehr basale Werte eine große Rolle für die Ausübung dieser Sportart. Der Spaß an der Bewegung in der Natur, das Trainieren für das eigene körperliche Wohlbefinden sowie der Ausgleich zur täglichen Arbeit, welche zumeist Vollzeit ausgeübt wird, steht für den Großteil an oberster Stelle. Auch die von über 80% der Teilnehmer angegeben Gründe der Leistungserprobung bzw. -steigerung können als Abbild einer leistungsorientierten Gesellschaft verstanden werden. Diesbezüglich können auch die Aussagen zum Gefühl trainieren zu müssen sowie zur Reizbarkeit bei Nichtausübung der sportlichen Aktivität zusätzliche Anhaltspunkte liefern. Die durchschnittliche Zeit von acht bis unter zehn Stunden, spiegelt den großen Zeitaufwand wider, welche diese Sportler (Breitensportler) in das eigene Training investieren. Dadurch zählt Triathlon zu den zeitlich aufwändigsten Einzelsportarten, die ausgeübt werden können.

Das Missverhältnis der Geschlechter im Triathlon ist ein spannendes und viel beobachtetes Phänomen. Julie Moss sprach in diesem Zusammenhang von Veränderungen (z.B.: Quotenplätze bei Qualifikationen etc.), die der Triathlonsport in den nächsten zehn Jahren vollziehen muss, wenn sich dieses Verhältnis angleichen soll. In dieser Arbeit wurde diesem Fakt jedoch zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen, als dass die Hintergründe dieses Phänomens näher analysiert und interpretiert werden konnten.

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Die empirischen Daten beschreiben einen typischen, in Österreich startenden, Triathleten wie folgt:

Der Triathlet ist …

  • … männlich
  • … zwischen 30 und 39 Jahre alt
  • … lebt in einer partnerschaftlichen Beziehung
  • … hat (noch) keine Kinder
  • … verfügt über einen hohen Bildungsgrad, zumeist einen Hochschulabschluss
  • … arbeitet als Vollzeitbeschäftigter
  • … erwirbt ein monatliches Netteinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro

Wenn du die ganze Arbeit lesen möchtest bzw. Fragen hast, dann kontaktiere doch einfach Martin unter martin@triathloncoaching.at